Zwei Freunde und ein RPG
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Einige Jugendsünden
Er hatte schon viele hinter sich und wahrscheinlich auch noch ein paar vor sich, bis er endlich mit zwei großen Zahlen, der Zwei und der Null, von seiner Jugend erlöst wurde. Was danach kam, ob kriminell oder nur dumm, würde ihn viel mehr kosten. Jugendsünden, welche nur auf eine Sünde zurück zuführen waren. Alkohol.
Warum Kaji gerne trank hatte er schon vergessen, aber er fing schon mit 12 damit an. Es war diese leicht trübe und doch bernsteinklare Flüssigkeit in der hübschen Flasche im Regal seines Vaters, die ihn einmal magisch angezogen hatte und dann fest hielt. Rum wurde von dem Tag an bevorzugt. Er fühlte sich frei, ungezwungen, von seinen häuslichen langweiligen Pflichten befreit. Als Sohn eines “Mafiaclanchefs” war das Leben durchaus aufregend, wenn man nicht gerade der jüngste Sohn war. Kaji hatte hinreißende Geschwister. Haru und Hiroshi bedeuteten ihm viel. Sie passten auf ihn auf, aber irgendwie passte Kaji auch auf sie auf. Dennoch rissen ihn seine strenge Mutter, seine naive Schwester, seine hübschen Brüder und sein freundschaftlicher Vater nicht aus diesem Suchtpensum heraus. Er war der Typ... für eine Sucht. Sich selbst unterdrückend.
Allerdings war alles mit 12 und 13 noch nicht so schlimm wie es noch kommen sollte. Kaji hatte sogar Freunde in seinem Mafiaclanleben, mit Aufträgen und Feiern. Sein bester Freund, mit dem er sich lange den Privatlehrer teilte hing fast den ganzen Tag bei ihm herum. Ebenfalls ein Kind der Mafia, wenn auch weit weniger bedeutend für den Clan. Sie stellten alles an was junge Männer eben so taten, wenn sie Geld und Einfluss hatten... Mädchen ärgern, anbaggern und dann die Erfahrungen austauschen. Es gehörte tatsächlich klischeehafter Weiße dazu Äpfel aus dem Nachbargarten zu stehlen. Eigentlich alles in allem eine hübsche Jugend. Die blonde Sekretärin, für die sich Kajis Vater nicht interessierte vergnügte sich sogar einmal mit ihm. Gott was für ein vollbusiger, strahlender Engel, natürlich eine Hexe im Herzen, aber Kaji war nunmal verschossen bis über beide Ohren. Hormone waren schon etwas schönes. Dennoch hing Kaji immer öfters seine Lippen an ein Glas voll mit hochprozentigem Alkohol.
Irgendwann war er dann ein voller Teenager in seiner Glanzzeit. Harte Drogen kamen ihm zwar nie unter, dennoch schaffte der Alkohol auch ein reges Rauschgefühl in seinen Adern und übersäte seine Erinnerung an das Vergangene mit Filmrissen und bunten verworrenen Farben. Er bekam schon bald nicht mehr mit, mit wem er schlief, mit wem er sich unterhielt, was er selber dachte und was in seinem Leben geschah. Sein bester Freund nutzte diese Sucht sogar auf eine Art aus, hinter die Kaji vielleicht niemals kommen würde, doch mit 16 wand auch er sich von Kaji ab. Dieses halbe Jahr im Vollrausch kostete Kaji viel.
“Kaji?”
Er hörte diese Stimme nur leise und dumpf an seinem Ohr und öffnete unsicher ein Auge. Die schmalen dunkelblauen Augen mit den langen geschwungenen Wimpern von Rico schauten ihn an.
Welcher Tag wohl war? Wie spät war es und wo war er hier? Und wieso war er nüchtern? Kaji stöhnte unzufrieden und rutschte tiefer in die Kissen. “Hast du Kopfschmerzen...? Hör mal ich muss jetzt gehen. Mein Vater ist nicht zu Hause und langsam muss ich mich an den Gedanken gewöhnen sein Nachfolger zu werden... also habe ich Verantwortung zu Hause... ich...” Wieso stotterte Rico denn so herum? Kopfschmerzen hatte Kaji keine, zu geübt war sein Gehirn inzwischen schon. Er fühlte sich einfach nur dumpf und hohl und... kalt. Daran konnte auch Ricos warmer Körper nichts ändern. “Ich würde gerne weiter so bei dir sein... vielleicht einmal erleben wie du aus dem Alkohol wieder heraus kommst. Unsere Freundschaft, die dir doch so wichtig ist, vertiefen... unsere Beziehung, von der du so wenig mitbekommst vielleicht ausbauen, aber wir haben keine Zukunft zusammen. Es tut mir Leid!”
Kaji verstand nur halb was Rico meinte und zog an der Decke um sich und ihn fester zu zudecken. Immer fror er im nüchternen Zustand. Nur ein kleiner warmer Schauer lief ihm über den Rücken als Rico ihn auf die Nase küsste.
“Unsere Wege trennen sich jetzt. Jetzt wo ich noch gehen kann ohne dir lange nach zu weinen. Du wirst dich vielleicht nicht mal mehr hier ran erinnern... aber mir ist es sehr wichtig, es dir zu erklären... Ich habe dich sehr lieb und ich hoffe du wirst glücklich. Ich hoffe wir sehen uns in ein paar Jahren... vielleicht kann ich dich ja doch an mich binden, vielleicht tickt dann die Welt etwas anders... du wirst wohl kaum auf mich warten oder? Aber ich werde es tun. Das verspreche ich dir!” Ricos weicher und warmer Körper löste sich von Kaji und er murrte unzufrieden unter der zunehmenden Kälter. Die langen Beine entfernten sich schon zur Tür, da drehte sich Rico schnell zu Kaji um. Ehe er mitbekam worum es ging drückten sich Kaji heiße Lippen auf, die er zufrieden begrüßte. Rico schaute ihn traurig an, wusste er doch, dass Kaji ihn gar nicht als seinen Rico wahr nahm, sondern nur als ein willkommenes Spielzeug, als etwas heiteren Sex zwischen zwei Flaschen Rum. Was hatte es ihn Vergnügen bereitet, als er fest stellte, wie leicht man einen betrunkenen Kaji ins Bett bekam. Spaß. Einfach nur Spaß. Aber wie das immer so läuft wurde aus dem Spaß für Rico langsam etwas mehr.
Wie brennend die Leidenschaft des völlig benebelten Kajis doch war. Er war heißblütig obwohl andere bei der Dosis Alkohol nicht mal gerade laufen konnten. Doch jetzt war Kaji eigentlich nüchtern. Wobei er sicher nicht wirklich so schnell auszuhungern war. Alkohol war sicher noch in seinem Blut. Aber vielleicht... erinnerte er sich eines Tages an dieses allerletzte Spielchen. Rico zog alle Trümpfe aus dem Ärmel und vereinnahmte sämtliche Vorlieben von Kaji bis er ihn völlig müde bekommen hatte. So müde, dass er sich heimlich aus dem Zimmer stehlen konnte, ohne dass es Kaji bemerkte. Das war ihr letzter gemeinsamer Tag. Rico mit etwas angebrochenem Herzen und Kaji mit einem noch hohleren Gefühl der Leere in seiner Brust.
Aber erst nach einem Monat fiel es ihm auf.
Rico war weg, seine Brüder hatten ihn links liegen gelassen, seine Mutter hatte ihn schon viel früher aus dem Nest geschubst in der Hoffnung ihren Sohn vor dem Sumpf zu retten, sein Vater war beschäftigter denn je in seinem neuen Amt der... ultimative Chef zu sein. Kaji fühlte sich einsam. Und zum ersten mal hatte er keinen Rico, der... was auch immer er früher wohl für ihn getan hatte, für ihn tat, Kaji vermisste es, auch wenn er sich nicht erinnerte. Kein Glas Rum vermochte Kaji diesmal zu trösten, dennoch versuchte er es. Und übertrieb es gewaltig.
Als Kaji wieder die Augen öffnete waren 8 Wochen des Schlafens vergangen und der Scherbenhaufen scheinbar unreparabel.
Tote Brüder. Seine verstörte Schwester. Seine völlig aufgelöste Mutter und sein zorniger Vater. Seine eigenen Vorwürfe... jeder trug Schuld und dennoch hätte man nichts tun können. Ein “Was wäre wenn...” gab es nicht. Und Kaji musste mit der Schuld leben. Er war 17 als ihn der Alkohol langsam verließ. Nicht ganz, die Rückfälle waren häufig aber auch kurz, dennoch war er bei klarem Verstand. Es war Amanda mit der er als erstes normale Gespräche führte. Marcos neue Freundin und wie eine große, kleine Schwester für Kaji. Irgendwann, nach ein paar Jahren kam auch die Idee alles neu zu starten.
Kajis Vater bot ihm ein Objekt in Japan an mit dem er machen konnte was er wollte. Ein ganzer Häuserblock nur für ihn. Alle fanden es lachhaft, dass Kaji einen Nachtclub eröffnen wollte, doch das heilte ihn schließlich ganz. Zwar trank er ab und an noch einmal, und schlug über die Stränge, aber nachdem er eine Nacht mit der schwesterlichen, trostbedürftigen Amanda verbracht hatte schwor er endlich ganz ab.
Irgendwann kam ein junger Mann in sein Leben, der ihn durch seine schroffe Art und dem Zwang der Enthaltsamkeit zu Disziplin erzog. Bei ihrem ersten mal erinnerten sich Kajis Zellen im geheimen an die vielen Male mit Rico, verwoben im Alkohol, und Kajis Körper reagierte ähnlich wie im Vollrausch. Sex befriedigte diese ewige Sucht. Schwuler Sex mit Alkohol waren in Kajis Genen verbunden... und nun konnte Denzel ihn völlig um den Finger wickeln, denn Kaji hatte sich verliebt. Zu erst fragte sich Kaji was ihn an Denzel so anzog, am Sex lag es nicht, denn sie waren lange zusammen bevor sie diesen Schritt wagten. Aber was war es dann? Kaji kam sich kaum liebesfähig vor. Aber das war er. Er liebte ihn, weil Denzel... Denzel war. Jede Zelle, jede Charaktereigenschaft an ihm. Er war Denzels Gegenpart, das wurde ihm schnell bewusst.
Zwar holte Kaji die Vergangenheit noch das ein oder andere mal ein, und irgendwann würden auch die Erinnerungen an Rico einmal aufkeimen, aber Kaji war jetzt glücklich. Die Scherben seiner Seele blieben liegen und ein neue unzerbrechliche Wasserspiegel bildete sich. Mit Denzels Liebe in seinem Herzen konnte Kaji ewig leben.